Edmund
Kizik
Die reglementierte Feier
Hochzeiten, Taufen und Begräbnisse in der frühneuzeitlichen
Hansestadt
Aus dem Polnischen von Peter Oliver Loew
KLIO IN POLEN 10
493 S., € 37,80
ISBN 978-3-938400-12-8
2008
Die Arbeit rekonstruiert und untersucht das strenge
Reglement familiärer Feiern am Beispiel der frühneuzeitlichen
Hansestädte. In den entsprechenden Ordnungen der Städte
waren z.B. bei einer Hochzeit die Stunde der Eheschließung,
Länge und Dauer des Hochzeitsumzuges, die Dauer des Festes
und der Zeitpunkt für das Abräumen der Tische und die
Beendigung des Mahles in allen Details geregelt. Gefragt wird
nach der Bedeutung, die Hochzeit, Taufe und Begräbnis für
das Wirtschafts- und Kulturleben in der vorindustriellen Gesellschaft
hatten. Ferner geht es um eine Erklärung der gesellschaftlichen
Rolle und Funktion städtischer Anti-Luxus-Gesetzgebungen,
der Hochzeits- , Tauf- und Begräbnisordnungen. Diskutiert
werden Fragen der gesellschaftlichen Disziplin sowie der moralischen
Funktion von Gesetzgebungen im religiösen, wirtschaftlichen
und kulturellen Leben der Neuzeit überhaupt.
Quellengrundlage des Werkes sind die Anti-Luxus-Gesetzgebungen
der Städte im Königlichen Preußen – Danzig,
Elbing und Thorn. Sie werden mit Verordnungen über die »Gute
Polizey« ausgewählter Städte in Nord- und Mitteldeutschland
verglichen. Als Quelle dienen auch Rechnungen, die Ausgaben für
familiäre Feierlichkeiten dokumentieren, um den Ablauf der
Familienfeste und den Personenkreis, der mit ihrer Durchführung
betraut war, zu rekonstruieren.
Auf die Darstellung der Formen zeremonieller familiärer
Feiern folgt die Untersuchung der (Selbst-)Disziplinierung der
Bevölkerung in der neuzeitlichen Hansestadt. Daran schließt
sich die Analyse der Rolle an, die Luxus im gesellschaftlichen
System der neuzeitlichen Stadt spielte. Dabei stehen die Aspekte
»Sünde« und »Wirtschaft«, das Verhältnis
zwischen Reichtum und Konsumtion sowie die Festschreibung der
sozialen Stratifizierung im Mittelpunkt.
EDMUND KIZIK, geb. 1960, Historiker, ist Professor an der Universität
Danzig und Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Er publizierte zahlreiche Arbeiten zur religiösen
Kultur und zum Alltagsleben im Königlichen Preußen
und in den Hansestädten, u.a. »Die Mennoniten in Danzig,
Elbing und im Weichselwerder in der zweiten Hälfte des 17.
und im 18. Jahrhundert« (1994) sowie »Der Tod in einer
Hansestadt vom 16.-18. Jahrhundert. Studien zur Geschichte der
neuzeitlichen Funeralkultur«. Das vorliegende Werk ist 2001
unter dem Titel »Wesele, kilka chrztów i pogrzebów.
Uroczystosci rodzinne w miescie hanzeatyckim od XVI do XVIII wieku«
erschienen.
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