Jörg
Gebhard / Rainer Lindner / Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.)
Unternehmer im Russischen Reich
Sozialprofil, Symbolwelten, Integrationsstrategien im 19. und
frühen 20. Jahrhundert
430 S., € 35,-
ISBN 3-938400-03-X
2006
Als E-Book erhältlich:
www.e-cademic.de
Der Sammelband bereichert innovativ die historischen
Forschungen über Unternehmer im Russischen Reich am Beispiel
ausgewählter, vorwiegend westlicher Stadtlandschaften. Diese
schließen im Wesentlichen die Übergangszone zwischen
Mittel- und Osteuropa ein, die durch Grenzverschiebungen, Migrationsbewegungen
und Multiethnizität gekennzeichnet war. Die bisher noch stark
sozialgeschichtlich ausgerichtete Historiographie ist durch kulturwissenschaftliche
Aspekte erweitert worden. Neben dem Sozialprofil von Unternehmern
werden exemplarisch Lebensstile, öffentliches Engagement,
Strategien der gesellschaftlichen Integration und zeitgenössische
Wahrnehmungen dieser neuen Schicht vorgestellt.
Zum Teil wurden für diesen Band ausgiebige
Archivstudien in Russland, der Ukraine, Weißrussland und
Polen durchgeführt und erstmals gänzlich neues Archivmaterial
ausgewertet. Die Studie ist als ein Beitrag zur Diskussion über
Modernisierung und entstehende Bürgerlichkeit im späten
Zarenreich zu verstehen. Sie soll die Vielfältigkeit und
Bedeutung unternehmerischen Wirkens veranschaulichen, das weit
über wirtschaftliches Engagement hinausging.
Aus dem Inhalt:
I. Einleitung
Jörg Gebhard, Rainer Lindner:
Unternehmer in Russland und im Königreich Polen vor 1914.
Historischer Raum, soziale Gestalt, kulturelle Dimension
II. Soziales Profil und öffentliches Engagement
Klaus Heller:
Auf dem Weg zum Bourgeois? Das »Moskau der Kaufleute«
vor 1917. Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber dem »Kaufmann«
im alten und neuen Russland.
Elzbieta Kaczynska:
Unternehmer als Wohltäter. Staat, Unternehmertum und Sozialpolitik
im Königreich Polen 1815-1914
Mariola Siennicka-Kondracka:
Private und öffentliche Aktivitäten von Frauen aus Warschauer
Unternehmerfamilien (Ende 19./ Anfang 20. Jahrhundert)
Galina Uljanova:
Unternehmer und Öffentlichkeit im Wolgaraum. Wohltätigkeit
in Niznij Novgorod und Saratov (1870-1914)
III. Ethnische und religiöse Differenzierung
Andreas Kossert:
»Gelobtes Land«? Religiosität und Unternehmer
in der Industriegesellschaft. Lodz und Manchester im langen 19.
Jahrhundert
Dittmar Dahlmann:
Religion und Geschäft. Deutsche Unternehmer in Moskau und
St. Petersburg von der Mitte des 19. Jahrhunderts
bis 1914
Jörg Gebhard:
Elitenbildung in multiethnischer Spannungslage: Die Unternehmer
Lublins im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Andrej Kistymau:
Jüdische Unternehmer in Weißrussland: Zeitgenössische
Wahrnehmung, Sozialprofil und Wirtschaftsformen
Wolfgang Sartor:
Louis Dreyfus & Co.: Problemaufriss eines internationalen
Großunternehmens in der Öffentlichkeit Russlands
IV. Symbole und Integrationsstrategien
Lutz Häfner:
Medienpräsenz. Reklame im ausgehenden Zarenreich
Kristina Küntzel-Witt:
Die »Börse« Russlands: Die Niznij Novgoroder
Messe am Ende des 19. Jahrhunderts
Rainer Lindner:
Wirtschaften, Wohnen, Repräsentieren: Symbolwelten und Integrationsformen
der Charkover Unternehmerfamilie Charitonenko
Anna Zarnowska:
Unternehmer und ihr symbolisches Selbstbild im städtischen
öffentlichen Raum. Das Beispiel von Warschau und Lodz
Exkurs:
Hanna Kozinska-Witt
Die galizische Selbstverwaltung und der unternehmerische Geist.
Das Problem der öffentlichen Wirtschaftsförderung in
einem rückständigen Kronland. Ein Versuch
V. Resümee
Bianka Pietrow-Ennker:
Unternehmer im Russischen Reich. Kulturelle Dimensionen sozialer
Integration.
JÖRG GEBHARD, Dr. phil., Historiker, war wissenschaftlicher
Mitarbeiter in der Fachrichtung Osteuropäische Geschichte
an der Universität Konstanz.
RAINER LINDNER, Dr. phil., Historiker, ist Privatdozent
an der Universität Konstanz und wissenschaftlicher Mitarbeiter
der Stiftung Wissenschaft und Politik — Deutsches Institut
für Internationale Politik und Sicherheit in Berlin.
BIANKA PIETROW-ENNKER, Dr. phil., Historikerin,
ist Professorin für Osteuropäische Geschichte an der
Universität Konstanz.
Die Herausgeber sind Mitglieder des Sonderforschungsbereichs
485 »Norm und Symbol. Die kulturelle Dimension sozialer
und politischer Integration«. |