Anna
Hofmann / Basil Kerski (Hrsg.)
Deutsche und Polen: Erinnerung im
Dialog
VERÖFFENTLICHUNGEN DER DEUTSCH-POLNISCHEN GESELLSCHAFT
BUNDESVERBAND E.V. 12
176 S., € 19,50
ISBN 978-3-938400-27-2
2007
Der 1989 begonnene nachbarschaftliche Dialog über
die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat nicht nur zur Verbesserung
der bilateralen Beziehungen in Europa beigetragen, sondern auch
tief gehende Spannungen hervorgerufen. Die Debatten zwischen den
benachbarten Nationen haben deutlich gemacht, wie schwer es Deutschen
und Polen sowie anderen Europäern fällt, eine gemeinsame
Interpretation der jüngsten Geschichte zu erarbeiten, wie
sehr die historischen Erfahrungen immer noch einen trennenden
Faktor darstellen. So hat sich trotz politischer und ökonomischer
Partnerschaft in den letzten Jahren gezeigt, dass die Unterschiedlichkeit
der Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die Teilung des
Kontinents nach 1945, die unterschiedliche Fokussierung auf Ereignisse
und Probleme den bilateralen politischen Dialog erschwert.
Der vorliegende Band versammelt Beiträge über kollektive
Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Teilung des Kontinents
sowie über die geschichtspolitischen Diskussionen in Polen
und Deutschland nach 1989. Die Autoren analysieren nicht nur den
Verlauf der jeweiligen nationalen Geschichtsdebatten, sondern
erörtern auch die Frage, ob die Mehrheit der Polen und Deutschen
heute an einem Dialog über ihre historischen Erfahrungen
überhaupt interessiert ist und wie dieser Erfahrungsaustausch
geführt werden kann. Diskutiert wird auch, ob sich trotz
der in vielen EU-Ländern zu beobachtenden Rückbesinnung
auf die nationale Geschichte eine europäische Identität
entwickeln wird oder ob dieser Prozess – entgegen den nach
1989 aufgekommenen Hoffnungen – einer Art »europäischem
Kulturkampf« weichen wird.
Das Buch dokumentiert eine von der Stiftung
Genshagen organisierte Tagung, an der im Februar 2006 Experten
aus Deutschland und Polen teilgenommen haben.
ANNA HOFMANN, geb. 1978, Politikwissenschaftlerin, ist wissenschaftliche
Mitarbeiterin der Stiftung Genshagen.
BASIL KERSKI, geb. 1969, ist Chefredakteur des Deutsch-Polnischen
Magazins DIALOG und ehrenamtlicher Geschäftsführer der
Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband.
Aus dem Inhalt:
Anna Hofmann / Basil Kerski: Vorwort
Persönliche Erinnerung und kollektives Gedächtnis.
Laura Hölzlwimmer und Wojciech Szczypka im Gespräch
mit Bronislaw Geremek und Richard von Weizsäcker
Markus Meckel: Erinnerung und Aufarbeitung von Geschichte als
europäische Aufgabe
Andrzej Przewoznik: Historische Debatten in Polen
Marcin Kula: Polnische Geschichtsdebatten
Feliks Tych: Polnische Geschichtsdebatten, die es nicht gibt
Leon Kieres: Rechtliche Aspekte der Auseinandersetzung mit der
Vergangenheit. Der Fall Polen 1989-2000
Hermann Schäfer: Erinnern für die Zukunft. Die deutsch-polnischen
Kulturbeziehungen im Europa des 21. Jahrhunderts
Matthias Weber: Erinnerung im Dialog. Aktuelle Geschichtsdebatten
in Deutschland und Polen
Irena Lipowicz: Das „Zentrum gegen Vertreibungen“
– eine Sackgasse
Tanja Dückers: Der 8. Mai 1945 und die jüngere Generation
in Deutschland
Malgorzata Dzieduszycka-Ziemilska: Menschen einer Stadt: Breslauer
– Wroclawianie
Peter Oliver Loew:
Zerstörung, Kontinuität, Erdichtung. Das Kriegsende
und der neue Anfang einer alten Stadt
Sebastian Kleinschmidt: Das Tableau der Erinnerung
Adam Zagajewski: Erinnern und vergessen. Reflexionen
Rudolf von Thadden: Geschichte aus der Perspektive eines Zeitzeugen
und Historikers. Persönliche Erfahrungen
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