Stefan
Troebst (Hrsg.)
Vertreibungsdiskurs und
europäische Erinnerungskultur
Deutsch-polnische Initiativen zur Institutionalisierung.
Eine Dokumentation
VERÖFFENTLICHUNGEN DER DEUTSCH-POLNISCHEN GESELLSCHAFT
BUNDESVERBAND E.V. 11
263 S., € 24,–
ISBN 978-3-938400-17-3
ISBN 10: 3-938400-17-X
2006
Zwischen 1991 und 1995 fanden während der
Kriege im ehemaligen Jugoslawien zahlreiche politisch motivierte
Zwangsmigrationen, so genannte »ethnische Säuberungen«
statt. Sie haben im kollektiven Gedächtnis Europas die Erinnerung
an den Holocaust und andere Genozide sowie vor allem an die gigantischen
erzwungenen Bevölkerungsverschiebungen in Mittel- und Osteuropa
1912-1922 und 1939-1949 geweckt.
Das neue europäische Interesse am Thema Vertreibung manifestierte
sich im politischen Raum auf unterschiedliche Weise: 1999 initiierte
der Bund der Vertriebenen das Projekt eines primär nationalen»Zentrums
gegen Vertreibungen«, 2002 empfahl der Deutsche Bundestag
die Bildung eines »Europäischen Zentrums gegen Vertreibungen«
und 2004 regten sowohl die Parlamentarische Versammlung des Europarats
wie die Kulturminister der Visegrád-Staatengruppe, Deutschlands
und Österreichs die Gründung einer europäischen
Einrichtung zur Beschäftigung mit dem Thema Zwangsmigration
in Zentraleuropa im 20. Jahrhundert an. Treibende Kraft der beiden
letztgenannten Initiativen waren dabei Polen und Deutschland.
Während die Entscheidung über ein »Europäisches
Zentrums der Erinnerung an Opfer erzwungener Bevölkerungsbewegungen
und ethnischer Säuberung« des Europarats im Herbst
2006 fallen soll, ist das von Polen, Deutschland, der Slowakei
und Ungarn unter temporärer bzw. partieller Mitwirkung der
Tschechischen Republik und Österreichs konzipierte »Europäische
Netzwerk Erinnerung und Solidarität« im Sommer 2005
formell gegründet worden.
Die vorliegende Dokumentation zeigt die Entwicklung dieser parallelen
Initiativen, beleuchtet aber auch die »Werkstatt«
der Gedenk- und Jubiläumskultur, in der Geschichtspolitiker
der Regierungen und Parlamente – bisweilen unter Mithilfe
von Historikern – erste Elemente einer künftigen europäischen
Erinnerungskultur aushandeln. Neben rund 60 offiziellen und halbamtlichen
Quellen enthält der Band auch Hintergrundberichte des Herausgebers
sowie eine aktuelle Auswahlbibliographie.
STEFAN TROEBST, geb. 1955, Osteuropahistoriker und Slavist, ist
Professor für Kulturstudien Ostmitteleuropas an der Universität
Leipzig und stellvertretender Direktor des Geisteswissenschaftlichen
Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO), ebenfalls
in Leipzig. 2004 fungierte er als Berater der Beauftragten der
Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Christina
Weiss, sowie des Komitees für Migration, Flüchtlinge
und Bevölkerung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats.
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