Bernd
Kauffmann / Basil Kerski (Hrsg.)
Antisemitismus und Erinnerungskulturen
im postkommunistischen Europa
VERÖFFENTLICHUNGEN DER DEUTSCH-POLNISCHEN GESELLSCHAFT
BUNDESVERBAND E.V. 10
196 S, € 19,50
ISBN 3-938400-14-5
2006
In Deutschland wie in Westeuropa ist oft die Befürchtung
zu hören, mit dem Beitritt der postkommunistischen Staaten
Ostmitteleuropas zur EU werde die demokratische Kultur des Westens
durch eine Welle des traditionellen Antisemitismus bedroht. Der
Antisemitismus ist kein ausschließliches Phänomen der
Transformationsgesellschaften Mittel- und Osteuropas, aber dort
stoßen extrem nationalistische und antisemitische Slogans
auf große Resonanz.
Antisemitische Haltungen sind im gesamten politischen
Spektrum vertreten, sie verbergen sich oft hinter Kritik an der
Marktwirtschaft oder an Israel. Vor allem die Auseinandersetzung
mit dem stalinistischen Totalitarismus wird oft missbraucht, um
antisemitische Stereotype zu vermitteln. Man beschuldigt die Juden,
maßgeblich am Zustandekommen des kommunistischen Terrorsystems
beteiligt gewesen zu sein. Ist vor dem Hintergrund dieser Instrumentalisierung
ein Vergleich totalitärer Erfahrungen zulässig oder
verbirgt sich dahinter eine Relativierung der NS-Verbrechen?
Der vorliegende Band versammelt Essays und Debatten
über den Umgang mit zeitgenössischen Formen des Antisemitismus,
über das Gedenken und die kollektive Erinnerung an das »Zeitalter
der Extreme« sowie geschichtspolitische Diskussionen in
Europa nach 1989. Das Buch dokumentiert eine von der Stiftung
Schloss Neuhardenberg in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift
»Kafka«, dem Deutsch-Polnischen Magazin DIALOG und
der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband organisierte
Tagung, an der im Juni 2005 Experten aus Europa, Amerika und Israel
teilgenommen haben.
BERND KAUFFMANN, geb. 1944, Jurist und Kulturmanager,
ist Generalbevollmächtigter und Geschäftsführer
der Stiftung Schloss Neuhardenberg.
BASIL KERSKI, geb. 1969, ist Chefredakteur des
Deutsch-Polnischen Magazins DIALOG und ehrenamtlicher Geschäftsführer
der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband.
Aus dem Inhalt:
Jean-Marie Kardinal Lustiger: Dem Fremden begegnen
– Herausforderung des 21. Jahrhunderts
Ryszard Kapuscinski: Die Begegnung mit dem Anderen
als Herausforderung des 21. Jahrhunderts
Pawel Spiewak: Die Schoah und die Ermordung des
christlichen Europas
Ireneusz Krzeminski: »Neuer« oder
»alter« Antisemitismus? Anmerkungen auf der Grundlage
soziologischer Untersuchungen in Polen und der Ukraine
»Alter« und »neuer« Antisemitismus?
Debatte: Wolfgang Benz, György Dalos, Ireneusz Krzeminski,
Pawel Spiewak. Moderation: Ingke Brodersen, Basil Kerski
Basil Kerski: Ungleiche Opfer. Polnische Christen,
polnische Juden und der Holocaust
Heinrich August Winkler: Erinnerungswelten im
Widerstreit. Europas langer Weg zu einem gemeinsamen Bild vom
Jahrhundert der Extreme
Europäische Erinnerungswelten. Debatte: Krzysztof
Czyzewski, Gerd Koenen, Arno Lustiger, Andrzej Paczkowski, Heinrich
August Winkler. Moderation: Ingke Brodersen, Basil Kerski
Andrzej Paczkowski: Gedächtniswelten. Das
»alte« und das »neue« Europa
Krzysztof Czyzewski: Agora und das Europa der
Mitte
Jurko Prochasko: Der Streit um das jüdische
Kulturerbe in Mitteleuropa. Der Fall Bruno Schulz
Avi Primor: Die israelisch-europäische Partnerschaft
und die Gefahren des Antisemitismus
Das Erbe der Vernichtung. Perspektiven der Partnerschaft
zwischen Europa und Israel. Debatte: Freimut Duve, John Kornblum,
Arno Lustiger, Avi Primor, Jurko Prochasko, Bassam Tibi. Moderation:
Rüdiger Dammann und Ingke Brodersen
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