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Propaganda im GeneralgouvernementArié Malz / Stefan Rohdewald / Stefan Wiederkehr (Hrsg.)
Sport zwischen Ost und West
Beiträge zur Sportgeschichte Osteuropas im 19. und 20. Jahrhundert

EINZELVERÖFFENTLICHUNGEN DES DHI WARSCHAU 16

377 S., Abb., € 35,-
ISBN 978-3-938400-15-9
2007

Das Thema Sport hat in jüngster Zeit in Kultur- und Geschichtswissenschaften stark an Bedeutung gewonnen. Seit den neunziger Jahren gelangen immer mehr Bereiche von Sport und Körperkultur in das Blickfeld der Forschung. Nahezu unerforscht blieb bis in die jüngste Zeit die Sportgeschichte Osteuropas.

Mit dem vorliegenden interdisziplinären Sammelband, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus neun Ländern beteiligt sind, werden wichtige Forschungslücken geschlossen. Themen sind insbesondere das Verhältnis von Sport und Politik während des Kalten Krieges, die Analyse des Phänomens Sport mithilfe der Kategorien Geschlecht, Nation und Ethnizität sowie das Konzept Körper in seinem historischen Wandel.

Das Spektrum der sportlichen Disziplinen reicht von Kunstschach und Alpinismus, über Ringkämpfe bis hin zu Leichtathletik, Eishockey und Fußball. Chronologisch und geographisch umfasst der Band die sowjetische Moderne und die neugebildeten ostmittel- und südosteuropäischen Staaten der Zwischenkriegszeit, die Systemkonfrontation und den Dissens innerhalb des östlichen Bündnisses während des Kalten Krieges sowie die postsowjetische Zeit.

In den Beiträgen wird deutlich, dass Breiten- und Spitzensport starken Einflüssen von Politik und Gesellschaft ausgesetzt sind. Gleichwohl ist Sport weit mehr als ein Abbild gesellschaftlicher Entwicklungen. Als Massenphänomen des 20. Jahrhunderts besitzt Sport einen Eigensinn. Er vermag in geschlossenen Gesellschaften eigenständige soziale Räume und Foren begrenzter Öffentlichkeit zu schaffen. Internationale Sportbeziehungen können als Sublimation von Krieg verstanden werden, aber auch als vorsichtige Annäherung oder
Inszenierung freundschaftlicher Beziehungen zwischen zwei Staaten. Sie bilden unter diesem Blickwinkel ein wichtiges Medium des Kulturtransfers und führen langfristig zu gesellschaftlichen Veränderungen.


ARIÉ MALZ, Osteuropahistoriker, ist wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich.

STEFAN ROHDEWALD, Osteuropahistoriker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Osteuropas und seiner Kulturen an der Universität Passau.

STEFAN WIEDERKEHR, Osteuropahistoriker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Bibliothek am Deutschen Historischen Institut Warschau.


Aus dem Inhalt:

Arié Malz/Stefan Rohdewald/Stefan Wiederkehr:
Sport zwischen Ost und West. Eine kurze Einführung

Anhang 1: Überblicksdarstellungen zur Sportgeschichte Osteuropas
Anhang 2: Weiterführende Links für Sporthistorikerinnen und Sporthistoriker


SPORT UND POLITIK IN INTERNATIONALEN NETZWERKEN

Christian Koller:
Fußball und internationale Beziehungen 1918 bis 1950. Großbritannien, Deutschland und die Sowjetunion im Vergleich

André Gounot:
Sport und Inszenierung des sozialistischen Aufbaus. Das Projekt der Weltspartakiade in Moskau (1931-1934)

Markku Jokisipilä:
Revenge in 1969, Miracle in 1980. The Two Most Politically Charged Moments of Cold War Ice Hockey

Jörg Ganzenmüller:
Bruderzwist im Kalten Krieg. Sowjetisch-tschechoslowakische Länderspiele im Umfeld des „Prager Frühlings“

Barbara Keys:
The Soviet Union, Cultural Exchange and the 1956 Melbourne Olympic Games

Andreas Nievergelt:
Schachographie in Russland und der Sowjetunion. Ein sportliches Randgebiet im Dienste der Geschichtsdarstellung und Bildpropaganda


NATION, ETHNIZITÄT, IDENTITÄT UND SPORT

Alexis Hofmeister:
Autoemanzipation durch Muskelkraft. Vergleichende Überlegungen zur Bedeutung jüdischer Sportvereine im ausgehenden Zarenreich

Bogdan Popa:
‘Our Team’? Ethnic Prejudices and Football in Interwar Romania

Vladan Jovanovic:
Sport as an Instrument of Yugoslav National Policy in Macedonia 1918–1941

Petar Petrov:
„Sultan werden“. Über die politische Ausnutzung traditioneller Ringkämpfe in Bulgarien

Uta Andrea Balbier:
„Von der DDR lernen, heißt siegen lernen!“ Zur diskursiven und strukturellen Anpassung der Bundesrepublik an das DDR-Sportsystem im Vorfeld der Münchner Spiele 1972


SPORT, KÖRPER UND GESCHLECHT

Filip Bláha:
Die turnende Frau als das Symbol der nationalen Identität? Frauen in der Sokolbewegung vor dem Ersten Weltkrieg

Stefan Wiederkehr:
„Unsere Mädchen sind alle einwandfrei“. Die Klobukowska-Affäre von 1967 in der zeitgenössischen Presse (Polen, BRD, Schweiz)

Eva Maurer:
Der sowjetische Alpinist auf Abwegen. Normvorstellungen, Kritik und Disziplinierung in der alpinistischen Gemeinschaft, 1931-1955

Malte Rolf:
Die schönen Körper des Kommunismus. Sportparaden in der Sowjetunion der dreißiger Jahre
Stefan Rohdewald:
Von der Schaffung des Menschen zum Sieg des Neuen Menschen im Weltsport? Zur weltgeschichtlichen Funktion der Körperkultur in Sportgeschichtslehrmitteln der späten Sowjetunion (1956-1975)

Nikolaus Katzer:
Neue Menschen in Bewegung. Zum Verhältnis von Sport und Moderne in Russland im 20. Jahrhundert



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